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Sonntag, 20. August 2017

Homburger Beitrag zur Bundeswehr-Traditionsdebatte

Bad Homburg v.d.H. (ww) Ja, der geneigte Leser hat richtig gelesen:  Dieser Beitrag zur Traditionsdebatte der Bundeswehr kommt aus Homburg und nicht aus Hamburg. Ich war selbst am 17. August 2017 auch gar nicht persönlich an der Führungsakademie der Bundeswehr in der stolzen und schönen Freien und Hansestadt, wo die Inhaberin der Befehls-und Kommandogewalt im Frieden den ersten Workshop zum neuen Traditionserlass der deutschen Streitkräfte veranstaltete.
Gleichwohl aber habe ich mitverfolgt, daß Frau Ministerin von der Leyen die Freiheitskriege als Startpunkt für die Bundeswehr-Tradition vorschlägt. Nun halte ich die Freiheitskriege für absolut traditionswürdig! Aber das ist eine andere Diskussion, die ich zu gegebener Zeit gesondert aufgreifen werde. Hier geht es hingegen um einen Beitrag aus Homburg, genauer gesagt Hessen-Homburg. Ich lege nämlich dar, warum ich als gelernter Kavallerieoffizier in meiner persönlichen Traditionspflege noch weiter als zu den Befreiungskriegen zurückgehe. So halte ich Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (1633 – 1708) für geradezu vorbildlich traditionswürdig!
Der Prinz von Homburg in der Schlacht bei Fehrbellin (Foto: JPW)
Friedrich diente als Kavallerieoffizier in verschiedenen europäischen Streitkräften. Das war für seinesgleichen in seiner Zeit nicht unüblich und könnte aufgrund des sich abzeichnenden Personalmangels in den Profiarmeen der EU möglicherweise bald wieder gängige Praxis werden (andere Diskussion). Er zeichnete sich dabei durch einen starken Willen aus. In schwedischen Diensten erlitt er beim Sturm auf Kopenhagen 1659 eine schwere Verwundung. Er verlor seinen rechten Unterschenkel. Der Legende nach soll er sich die letzten Sehnen sogar noch selbst durchtrennt haben.
Das konnte seinen Kampfgeist jedoch nicht schmälern. Mit einer Prothese leistete der kriegsversehrte Veteran weiter Dienst. Als General der Kavallerie wurde er 1672 sogar Befehlshaber des brandenburgischen Heeres. Im Dienst Friedrich Wilhelms von Brandenburg stehend gelang ihm wohl eine seiner herrlichsten Waffentaten. So griff er am 18. Juni 1675 eigenmächtig bei Fehrbellin die schwedische Nachhut an und verhalf in der folgenden Schlacht dem „Großen Kurfürsten“ zu einem glänzenden Sieg.
Das "kleine Denkmal" bei Hakenberg erinnert noch heute an Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg und weitere Mitstreiter. (Foto: JPW)
Dieser gilt sogar als Geburtsstunde für die Größe Preußens (wobei man über die Glorfizierung Preußens durchaus geteilter Meinung sein kann – wieder eine andere Diskussion). Immerhin trug in der "Alten Armee" das Husarenregiment Nr. 14 (2. Kurhessisches) den Ehrennamen "Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg".
Husaren des Husarenregimnets Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (2. Kurhessisches) Nr. 14 (Foto: HR14)
Neben den militärischen Tugenden wie Tapferkeit, Initiative und Beharrlichkeit sprechen aber noch weitere gute Gründe für seine Traditionswürdigkeit. 1681 übernahm Friedrich II. die Herrschaft in Hessen-Homburg. Während seiner Regierungszeit nahm er in seiner Landgrafschaft viele Schutzsuchende auf – vor allem aus dem katholischen Frankreich vertriebene protestantische Waldenser und Hugenotten. „Lieber will ich mein Silbergerät [seine durch den Holfalchimisten Paul Andrich geschaffene, sehr wertvolle Beinprothese] verkaufen, als diesen armen Menschen keine Zuflucht zu gewähren“, wird er zitiert. Natürlich folgte er dabei einer humanistischen Motivation. Er hatte aber ebenso das Wohl seines Landes im Blick. So profitierte die durch den 30jährigen Krieg mitgenommene Grafschaft von der durchaus interessengeleiteten Einwanderung, denn die Schutzsuchenden brachten Handwerk und zahlreiche Fachkenntnisse mit. Die die nach dem „Landgrafen mit dem Silbernen Bein“ benannte Stadt Friedrichsdorf ist bis heute für ihren Zwieback weltbekannt.
Der „Prinz von Homburg“ erweist sich also nicht nur als vorbildlicher Soldat, sondern auch als weitsichtiger Staatsmann als traditionswürdig.

Jan-Phillipp Weisswange

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